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	<title>Bernd Seydels Blog</title>
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	<description>Aktuelles und Bemerkenswertes</description>
	<lastBuildDate>Mon, 16 Jan 2012 18:53:18 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Kommunikation und Werte – 3 Thesen</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 18:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[1. These: Wer über Werte spricht, spricht über sich selbst Selbstwertgefühl Wertediskussion Wertschätzung Wertvorstellung wertfrei Bewertung Verwertung Wertsache Wertbeständigkeit Werturteil Werteempfindungen lassen sich nicht von Kommunikation abtrennen. In jeder Kommunikation spreche ich zugleich auch von den Werten, die mich lenken und leiten. Am auffälligsten wird das in unseren Bewertungen: gut, schlecht, böse, lieb, richtig, falsch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>1. These: Wer über Werte spricht, spricht über sich selbst</strong></p>
<p>Selbstwertgefühl<br />
Wertediskussion<br />
Wertschätzung<br />
Wertvorstellung<br />
wertfrei<br />
Bewertung<br />
Verwertung<br />
Wertsache<br />
Wertbeständigkeit<br />
Werturteil</p>
<p>Werteempfindungen lassen sich nicht von Kommunikation abtrennen. In jeder Kommunikation spreche ich zugleich auch von den Werten, die mich lenken und leiten. Am auffälligsten wird das in unseren Bewertungen: gut, schlecht, böse, lieb, richtig, falsch usw. Aber auch alle Religionen, Überzeugungen, Weltanschauungen oder Ideologien sind stark wertegeprägt – so stark, dass sie auch Kriege auslösen können.<span id="more-414"></span></p>
<p>Wen wir nicht für wertvoll erachten, ist uns kein Partner für Kommunikation. Wer Werte vertritt, die sich mit den eigenen nicht vertragen, wird mir erst gleichgültig, dann – im schlimmsten Fall – mein Feind.</p>
<p>Allerdings verbinden Werte auch die Menschen. „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Allzu viel Gleichheit und Ähnlichkeit aber ermüdet, lässt am Ende Kommunikation einschlafen. Es wird uns schlicht langweilig.</p>
<p>In diesem Spannungsfeld zwischen Ablehnung und Annäherung, Freundschaft und Feindschaft erleben sich kommunizierende Menschen.</p>
<p>Für Unternehmen bedeutet dies, dass auf verschiedenen Kommunikationsebenen Werte verhandelt werden – ob man will oder nicht. In dieses sowieso schon komplizierte Geflecht der persönlichen Werte wirken nun noch jene selbstgeschaffenen Unternehmenswerte hinein, die wie von außen eindringende Normen und Regeln wirken bzw. wirken sollen.</p>
<p>Wer sich zu Werten bekennt, erzählt von dem, was ihn charakterisiert, bestimmt, lenkt.</p>
<p><strong>2. These: Werte definieren Herrschaftsverhältnisse</strong></p>
<p>Werte wollen sich gegenüber anderen Werten durchsetzen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, von wem die Werte stammen bzw. wer sie vertritt. Wer überhaupt erlebt, dass er Werte in sich trägt, weiß für sich, dass diese Werte „gut“ und „richtig“ sind.</p>
<p>Trifft man auf andere Menschen mit anderen Werten, stellt sich die Frage, wie sich diese Werte zueinander verhalten:<br />
            &#8211; Sind sie überhaupt vergleichbar?<br />
            &#8211; Sind sie gleichrangig?<br />
             &#8211; Welcher Wert ist umfassender?<br />
            &#8211; Wie bewerte ich die anderen Werte? Und diese mich?<br />
            - Welcher Wert darf über den anderen Wert herrschen?</p>
<p>Meist werden Werteverhältnisse nicht offen geklärt. Oft lassen sie sich auch gar nicht einfach klären, weil sie tief in der Seele verwurzelt sind, aus dem Unbewussten heraus in den Alltag wirken. An der Oberfläche des Alltags kommt es dann nicht selten zu Kollisionen, die wie Meinungsverschiedenheiten aussehen, aber im Grunde tief sich unterscheidende Wertekonzeptionen sind.</p>
<p>Schwierig daran ist, dass diese Werteherrschaft unmittelbar an mein Selbstwertgefühl gekoppelt ist.</p>
<p>Selbstwertgefühl ist jene Empfindung, aus der heraus sich der Mensch als wertvoll erlebt, ohne sich mit anderen Werten zu vergleichen. „Ich habe meinen Wert aus mir selbst“, ist jener Satz, der die Menschen zum aufrechten Gang verhilft.</p>
<p>Die Begegnung mit anderen Menschen ist darum immer auch eine Begegnung von Werten und Selbstwertgefühlen. Das macht Begegnung und damit auch Kommunikation so anfällig für Störungen und zugleich so aufregend und bereichernd.<strong> </strong></p>
<p><strong>3. These: Ein gefestigtes Selbstwertgefühl intensiviert Kommunikation </strong></p>
<p>Das heikle Gebilde „Selbstwertgefühl“ steht in der Spannung zwischen Überheblichkeit und „Burn out“.</p>
<p>Wer Selbstwertgefühl im anderen Menschen „von außen“ aufwerten möchte, gerät in eine unbeabsichtigte Falle: Je stärker ich auf den anderen einwirke, dass er sein Selbstwertgefühl wieder stärken möge, umso schwächer fühlt er sich. Durch Druck und Stärke schwäche ich also das Selbstwertgefühl, genauso wie durch mitleidsvolle Schlaffheit und Schwäche.</p>
<p>Was ist der Ausweg?</p>
<p>Menschen, die sich wahrgenommen fühlen, erleben sich selbst intensiver. Die Aufmerksamkeit, die Achtsamkeit für den Mitmenschen ist ein geheimnisvolles Tor zu seinem Innersten. Allerdings hüte man sich dabei vor Verstellung und Taktieren. Offenbar gibt es ein feines „Messinstrument“ in der Seele, das geheuchelte Aufmerksamkeit schnell entlarvt.</p>
<p>Wer sein Selbstwertgefühl als den unbestechlichen Richter in sich selbst entdeckt, gewinnt Freiheit für sein Handeln, Initiative und Selbstsicherheit.</p>
<p><strong>Handlungsanleitung:</strong></p>
<ul>
<li>Höre auf die Wertehinweise in den Aussagen und Sätzen deiner Mitmenschen.</li>
<li>Höre auf die Wertehinweise in deinen eigenen Aussagen und Sätzen.</li>
<li>Beobachte dich, wenn du auf Werte triffst, die den deinen widersprechen.</li>
<li>Versuche probeweise und auf Zeit, die Werte eines anderen Menschen zu übernehmen. Mache dies mindestens mit fünf verschiedenen Wertekonzeptionen.</li>
<li>Erkunde in einer stillen Stunde deinen innersten, allergeheimsten Werte. Wenn du sehr mutig bist, schreibst du das auf. Wenn du noch mutiger bist, besprichst du sie mit einem dir sehr vertrauten Menschen, zum Beispiel deinem Lebenspartner.</li>
<li>Beobachte, wie ihr beide damit umgeht, wie es euch dabei geht.</li>
</ul>
<p>Und so weiter …</p>
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		<title>Sozialer Tatort Theater</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/sozialer-tatort-theater/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 22:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[oder warum es richtig ist, dass Jugendliche Ernst machen dürfen Menschen schließen sich zusammen, gründen einen Verein vor sechzehn Jahren und realisieren seit mehr als fünf Jahren vier bis sechs Theaterproduktionen, einige Workshops und Gelegenheitsauftritte – pro Jahr. Dafür gibt es Fördermittel, ein paar Paten und Spenden. Das ganze heißt „art der stadt e.v. – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>oder warum es richtig ist, dass Jugendliche Ernst machen dürfen</strong></p>
<p>Menschen schließen sich zusammen, gründen einen Verein vor sechzehn Jahren und realisieren seit mehr als fünf Jahren vier bis sechs Theaterproduktionen, einige Workshops und Gelegenheitsauftritte – pro Jahr. Dafür gibt es Fördermittel, ein paar Paten und Spenden. Das ganze heißt „<a title="art der stadt e.v.- theater der stadt gotha" href="http://www.artderstadt.de" target="_blank">art der stadt e.v. – theater der stadt gotha</a>“.</p>
<p>Mal ehrlich: Braucht das eine Stadt? Ist es richtig, Geld dafür auszugeben, dass ein paar Jugendliche und auch ältere Menschen wochenlang ein Stück proben, das dann nur wenige Aufführungen erlebt?</p>
<p>Eine rein betriebswirtschaftliche Analyse mit einer Gewinnabschätzung würde ein vernichtendes Urteil fällen: sinnlos, trägt sich nicht: schließen. Zu wenig Output bei zu viel Einsatz. Ende.<span id="more-405"></span></p>
<p>Doch merkwürdig: Die Menschen, die diesen Kulturverein machen, leben, erleben, denken offenbar anders. Nicht, dass sie den Bezug zum Finanziellen verloren hätten, im Gegenteil: Über Gehaltsverzicht, eine gewisse Selbstausbeutung und knappste Kalkulationen kommt man über die Runden – mehr oder weniger. Mehr wäre deutlich besser.</p>
<p>Neben die <em>monetäre </em>Bilanz sollte man eine <em>soziale </em>Bilanz stellen. Die sieht etwa so aus: Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlichsten Alters kommen zusammen. Sie wollen etwas gemeinsam machen. Sie fragen nicht, woher einer komme oder was er könne, sondern was er bereit ist einzubringen. Generationenkonflikte, soziale Unterschiede oder allerlei Herkünfte verdampfen über der Frage: Wie kommen wir zu einem vorzeigbaren Ergebnis? Wie motivieren wir uns, wenn wir nicht weiterwissen? Was macht einer, wenn ihm die Lust ausgeht? Darf er gehen und sich beim nächsten Mal wieder zugehörig fühlen? Wie können Außenanforderungen in die intensive Probenzeit integriert werden, zum Beispiel Schulaufgaben oder eine Klassenarbeit? Wenn man sich gegenseitig hilft und der Französischtest plötzlich eine gute Note ist: Muss man dann noch seine Eltern anbetteln, doch zur Probe gehen zu dürfen? Was passiert, wenn man sich an einer seelischen Grenze befindet, wird man aufgefangen, hängengelassen oder angestupst, noch einen kleinen Schritt mehr zu versuchen?</p>
<p>Was passiert mit Menschen im Alltag, die sich die Welt erobern, indem sie ein Theaterstück proben und erobern; die andere Ideen zulassen, weil sie eine merkwürdige Figur verkörpern, die diese Ideen mit Leidenschaft vortragen soll?</p>
<p>Diese Menschen wollen am Ende ein Theaterstück aufführen, für das andere Menschen Eintritt bezahlen werden. Da reicht es nicht zu sagen: Wir haben uns angestrengt, aber sorry, leider ist nichts Gescheiten herausgekommen.</p>
<p>Die Bühne ist unerbittlich: Entweder funktioniert ein Stück oder nicht. Entweder kann man seinen Text, seine Figur – oder nicht. Entweder geht man voll in seiner Aufgabe auf – oder nicht. Die Zuschauer sind nur so lange gutmütig, wie sie Leidenschaft fühlen. „Gut gemeint“ ist auf jeden Fall das peinliche Ende. Gerade junge Menschen, die ihren Weg in diese Welt hinein finden wollen und sollen, erleben auf der Bühne den Wert, den eine Sache aus sich selbst heraus hat – oder eben nicht.</p>
<p>Theaterspielen ist keine sozialpädagogische Arbeit, bei der der Weg großherzig über das Ergebnis gestellt wird. Es zählt nur die echte Leistung, abgeliefert mit Kopf, Herz und Körper.</p>
<p>Kann es sich eine Stadt leisten, auf diese Arbeit zu verzichten? Theaterspielen ist wie der Stein, der mit großer Energie in einen See geworfen wird. Der Stein mag klein sein gemessen an der Größe des Sees. Aber er schlägt Wellen, die sich ausbreiten.</p>
<p>Menschen, die theaterspielen, leben anders in einer Gemeinschaft. Sie erleben sich selbst kraftvoller, tatkräftiger. Sie fühlen und wissen, dass sie etwas abliefern können, wenn sie sich anstrengen, wenn sie bereit sind, ihr Bestes zu geben: ihre Begeisterung, ihren Ehrgeiz, ihren Fleiß. Damit begegnen sie ihrer Familie, Freunden, Fremden. Die wieder erzählen von der interessanten Entwicklung ihrer Kinder, ihren Theaterfreunden, von einer überraschenden Begegnung. Das zieht Kreise – weit über das Theaterstück hinaus.</p>
<p>Der art der stadt e.v. in Gotha ist ein sozialer Tatort. Weil er die Tat in den Mittelpunkt stellt, indem er das Wort ergreift – und nicht die Mordwaffe. Das darf einer Stadt etwas wert sein: den Stadtvätern und Stadtmüttern, den Unternehmen und den Verwaltungsmenschen, den Bürgern klein und groß.</p>
<p>Die soziale Bilanz für diese Art/art von Kulturarbeit fällt so gigantisch positiv aus – man muss es nur verstehen wollen.</p>
<p> <a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/12/Z006667_Seydel_LR_600BlogSY.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-406" title="Fotoausstellung in der Kreissparkasse Gotha" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/12/Z006667_Seydel_LR_600BlogSY.jpg" alt="" width="600" height="400" /></a></p>
<p>Bis zum 12.1.2012 kann man in meiner Fotoausstellung „spot on – kinder bewegen die stadt“ in der Kreissparkasse Gotha ein paar Ergebnisse dieser Arbeit mit Jugendlichen anschauen, die die Bewunderung zu Recht verdienen.</p>
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		<title>Trudeln, fallen, auferstehen</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/trudeln-fallen-auferstehen/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 16:53:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Brillantes Artistentheater mit dem Circus Uusi Maailma Sie hängen an Stangen wie alte Säcke. Kopfüber der eine, ein anderer im Schneidersitz wie ein Buddha. Die Bühne ist finster, nur ein paar Lichtpunkte setzen Akzente, erhellen ein Gesicht, eine erstarrte Artistin in einem Eisenreifen. Der finnische Circus Uusi Maailma ist im Perthes-Saal des Gothaer „Londoner“ angekommen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Z000046_Seydel_LR_600BlogSY.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-397" title="_Z000046_Seydel_LR_600BlogSY" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Z000046_Seydel_LR_600BlogSY.jpg" alt="" width="600" height="400" /></a></strong></p>
<p><strong>Brillantes Artistentheater mit dem Circus Uusi Maailma</strong></p>
<p>Sie hängen an Stangen wie alte Säcke. Kopfüber der eine, ein anderer im Schneidersitz wie ein Buddha. Die Bühne ist finster, nur ein paar Lichtpunkte setzen Akzente, erhellen ein Gesicht, eine erstarrte Artistin in einem Eisenreifen. Der finnische Circus Uusi Maailma ist im Perthes-Saal des Gothaer „Londoner“ angekommen.</p>
<p>Das Programm „Globally wanted“ ist aber weit mehr als circensische Leistung. Von den sechs jungen Artistinnen und Artisten wird eine surreale Geschichte serviert, die vom ersten Augenblick an die Zuschauer in den Bann schlägt.<span id="more-396"></span></p>
<p>Wer von den Akteuren gerade noch irgendwo herabhing, taumelt und trudelt plötzlich Stangen herauf und herunter, kugelt sich am Boden zusammen, springt auf und reißt andere mit sich. Schon geht es wieder empor, verschrauben sich Leiber, begegnen, helfen einander. Doch halt: Nicht alle sind so freundlich. Da reißt der eine dem anderen das Bein weg, spannt das Mädchen aus oder jagt ihn davon. Wenn da nur nicht der eine mit den beiden gestreckten Zeigefingern wäre! Er bohrt sie von Anfang bis Ende so penetrant ins Licht, als wolle er die ganze Welt damit erstechen.</p>
<p><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Z000012_Seydel_LR_600BlogSY.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-398" title="_Z000012_Seydel_LR_600BlogSY" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Z000012_Seydel_LR_600BlogSY.jpg" alt="" width="600" height="400" /></a></p>
<p>Als Spiel- und Aktionsplatz dient den Akteuren ein Quader aus schwarzen Eisenstangen. Dazu eine Schaukel und ein Seil, in das sich kunstvoll verschlungen wird, um daran hinaufzurollen oder abzustürzen. Alle sind aufs tödlichste ernst, erschreckt, geschockt – dann wieder zusammengefallen hingekauert bis zum nächsten Energieausbruch.</p>
<p>Die finnischen Bewegungs- und Akrobatikkünstler nutzen die artistischen Elemente, um etwas zu erzählen. Ihre Kunst ist nicht Selbstzweck, ihre Körperbeherrschung soll nicht bewundert oder beklatscht werden. Sie gibt vielmehr die Bewegung vor, der man sich mit staunenden Augen anschließen möge. Diese Artistik hat einen erzählerischen Auftrag, der im Kopf des Zuschauers startet. Jede noch so kleine Bewegung ist verknüpft mit anderen, ist Antwort oder Herausforderung, gibt eine Richtung vor oder setzt einen markanten Schlusspunkt.</p>
<p><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Z000162_Seydel_LR_600BlogSY.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-399" title="_Z000162_Seydel_LR_600BlogSY" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Z000162_Seydel_LR_600BlogSY.jpg" alt="" width="400" height="600" /></a></p>
<p>Staunen, Erschrecken und Freude über diesen Auftritt. Das ist brillantes Artistentheater, hinreißend vorgetragen und mit langem Beifall belohnt. Die Truppe würde gerne wieder kommen: hoffentlich schon bald. Der Zusammenarbeit vom <a title="art der stadt e.v. gotha" href="http://www.artderstadt.de/" target="_blank">art der stadt e.v. gotha </a>und der Theaterscheune Teutleben ist dieses beglückende Ereignis zu verdanken.</p>
<p>Mehr Fotos von der Aufführung in meinem <a href="https://www.facebook.com/media/set/?set=a.266208576748520.56858.213553248680720&amp;type=3&amp;l=094520480b" target="_blank">Facebook-Album</a>.</p>
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		</item>
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		<title>Maite Kelly auf der Buchmesse 2011</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/maite-kelly-auf-der-buchmesse-2011/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 23:41:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Interessante Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Sicherlich ist sie ein Star. Oder jedenfalls fast. Auf jeden Fall ziemlich bekannt: Maite Kelly, Sängerin ehemals bei der Kelly Family. Sie war schon immer etwas mollig, gewann souverän den Fernseh-Tanzwettbewerb „Let’s dance“ und veröffentlichte jüngst die Solo-CD „Das volle Programm“. Beim Verlag Butzon &#38; Bercker erschien gerade ihr Buch „Mit Kindern Feste gestalten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175551_Seydel-_LR.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-393" title="_Y175551_Seydel _LR" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175551_Seydel-_LR.jpg" alt="" width="640" height="426" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Sicherlich ist sie ein Star. Oder jedenfalls fast. Auf jeden Fall ziemlich bekannt: Maite Kelly, Sängerin ehemals bei der Kelly Family. Sie war schon immer etwas mollig, gewann souverän den Fernseh-Tanzwettbewerb „<a title="Der finale Tanz zum Gewinn" href="http://www.clipfish.de/special/lets-dance/video/3590814/maite-kelly-tanzt-den-freestyle-im-lets-dance-finale/" target="_blank">Let’s dance</a>“ und veröffentlichte jüngst die Solo-CD „<a title="Das volle Programm" href="http://www.maitekelly.de" target="_blank">Das volle Programm</a>“. Beim Verlag Butzon &amp; Bercker erschien gerade ihr Buch „Mit Kindern Feste gestalten und feiern“. Inzwischen reißen sich die Fernsehanstalten um Maite Kelly. Doch wem begegne ich, als ich Maite Kelly auf der Buchmesse treffe?<span id="more-382"></span></p>
<p>Sie sitzt ganz entspannt im Stand ihres Verlags und signiert fleißig ihre Bücher. Auf Vorrat, nicht weil die Massen sich um sie drängen. Ich sehe keine Fotokollegen, kein Journalistenaufgebot. Einige begeisterte Frauen lassen sich ihr Buch signieren, ein gemeinsames Foto wird gerne gewährt. Lachende Gesichter, ein paar freundliche Worte, dann ist Maite Kelly wieder fleißig.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175580_Seydel-_LR1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-391" title="_Y175580_Seydel _LR" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175580_Seydel-_LR1.jpg" alt="" width="640" height="426" /></a></p>
<p>Als ich zu fotografieren beginne, lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie schaut freundlich, entspannt, lacht. Ich habe mir Zeit genommen, denn ich will diese Frau genau anschauen. Ist sie ein Star?</p>
<p>Auf ihrer CD gibt es ein Lied mit dem Titel: „Ich bin die Frau meines Lebens“. Es ist das Bekenntnis einer Frau zu sich selbst, zu ihren Stärken und liebenswerten Schwächen. Es ist DAS Lied für alle Frauen. Es ist die persönliche Hymne meiner eigenen Frau geworden.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175531_Seydel-_LR.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-384" title="_Y175531_Seydel _LR" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175531_Seydel-_LR.jpg" alt="" width="640" height="426" /></a></p>
<p>Ich erzähle Maite Kelly von unserer Begeisterung über ihre Lieder. Mit großen, wachen Augen schaut sie mich an, freut sich ganz unbekümmert darüber. „Vielleicht sollte ich aus diesem Song eine Single machen“, meint sie fröhlich. Es sei gut, wenn ihre Lieder den Menschen Stärke geben, sagt sie.</p>
<p>Ich bin verwundert. Mit Maite Kelly lässt es sich unkompliziert plaudern. Keine Starallüren, kein Getue. Sie ist auf eine intensive Weise normal. Nun ja, nicht wirklich, denn sie hat eine bescheidene Art der Überlegenheit. Überlegen nicht anderen Menschen, sondern dem Unbill dieser Welt.</p>
<p>Maite Kelly ist ein Star – nein, ein Stern, der frisch und munter hervorleuchtet am großen, weiten Buchmessehimmel.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-family: Arial; font-size: 11pt; mso-fareast-font-family: 'Times New Roman'; mso-ansi-language: DE; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA;"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175527_Seydel-_LR1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-388" title="_Y175527_Seydel _LR" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Y175527_Seydel-_LR1.jpg" alt="" width="640" height="426" /></a> </span></p>
<p><span style="font-family: Arial; font-size: 11pt; mso-fareast-font-family: 'Times New Roman'; mso-ansi-language: DE; mso-fareast-language: DE; mso-bidi-language: AR-SA;"> </span></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Dank an Volker Looman</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 22:16:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gerade gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Versicherungsvertreter halte ich für Lügner, Banker für Betrüger und Finanzberater – na ja, irgendetwas dazwischen. Bis auf einen. Volker Looman. Er ist Finanzanalytiker in Reutlingen. Regelmäßig schreibt er in der FAZ über Vermögensfragen. Ihn liebe ich, wie man einen Autor lieben kann, den man persönlich gar nicht kennt. Aber warum? Was adelt diese Ausnahme? Looman [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Versicherungsvertreter halte ich für Lügner, Banker für Betrüger und Finanzberater – na ja, irgendetwas dazwischen. Bis auf einen. Volker Looman. Er ist Finanzanalytiker in Reutlingen. Regelmäßig schreibt er in der FAZ über Vermögensfragen. Ihn liebe ich, wie man einen Autor lieben kann, den man persönlich gar nicht kennt. Aber warum? Was adelt diese Ausnahme?<span id="more-372"></span></p>
<p>Looman glaubt nur das, was er nachrechnen kann. Meistens widersprechen seine Ergebnisse eiskalt weitverbreiteten Lieblingsideologien in Sachen Geldanlage, Renditen und Vermögen. Zum Beispiel, dass sich Immobilienbesitz automatisch rentiert. Aber deswegen muss man Looman nicht lieben.</p>
<p>Am 1. Oktober 2011 erschien in der FAZ auf Seite 22 sein Artikel „Die richtigen Prioritäten für Berufsanfänger“. Er ist das Beste, was ich bisher zu diesem Thema gelesen habe. Kurz, knapp und ziemlich wirklichkeitsnah beschreibt er die Versuchungen eines jungen Mannes, der sein erstes Geld verdient – und damit sogleich in die Kredit- und Konsumfalle tappt. Wie kann das jungen Menschen  passieren? „… ihnen fehlt die schlichte Erfahrung, dass auf Dauer nur Geld ausgegeben werden kann, das zuvor verdient worden ist. Die Aufzeichnung von Einnahmen und Ausgaben ist völlig aus der Mode gekommen.“</p>
<p>Ja, schreit es in meiner Seele: JA. Diese beiden Sätze sind so unerträglich wahr. Sie gelten im persönlichen Leben wie in der großen Politik. Die Euro-Krise ist auch nichts anderes. Wir geben Geld aus, was wir nicht haben.</p>
<p>Loomans Hauptthese: Vermögen ist die Belohnung für Konsumverzicht. Wer Konsum über Kredite finanziert, hat dreifach verloren: 1. Er gibt Geld aus, was er nicht hat. 2. Er muss das geliehene Geld teuer bezahlen. 3. Er ist abhängig von regelmäßigen Einnahmen, um sich die Rückzahlungen leisten zu können. Ziemlich unverlockend, oder?</p>
<p>Seine Empfehlung Nummer eins: Keine Kredite. Nummer zwei: Kreditkarte vernichten. Das möge mal ein junger Mensch seinem Banker sagen, der ihm gerade diese Karte großherzig andient. Looman erklärt dann einiges über sinnvolle Versicherungen, über Bausparverträge und Aktien und überhaupt das Sparen. Das überspringe ich, denn ich möchte endlich zu dem Punkt kommen, warum ich Looman liebe.</p>
<p> <a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Looman.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-373" title="Looman" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/10/Looman.jpg" alt="" width="355" height="490" /></a></p>
<p>Investieren in die eigene Ausbildung, damit man sich mit Leidenschaft seinem Beruf widmen kann. Das ist der wahre Vermögensaufbau.</p>
<p>He Leute, habt ihr das kapiert? Investieren in Leidenschaft, nicht in Aktien. Das sagt kein Luftschlossbastler, sondern ein Finanzanalytiker. Aus diesem Grund liebe ich Volker Looman. Sein Idealismus ist der wirkliche Realismus.</p>
<p><strong><em>Nachsatz</em></strong>: Wenn ich Loomans Finanztipps beherzige, habe ich auch das Geld, die FAZ lesen zu können. Die FAZ refinanziert sich für mich durch die Artikel, die ich dort lese.</p>
<p><strong><em>Nachtrag am 5.10.2011</em></strong>: Der Tag beginnt mit der Nachrticht, dass Steve Jobs gestorben ist. Seine Rede von 2005 vor Studenten des Standford University ergänzt diese Überlegungen von einer grundsätzlichen Seite her.</p>
<p>Steve Jobs&#8217; 2005 Stanford Commencement Address (with intro by President John Hennessy)<br />
<a href="http://youtu.be/Hd_ptbiPoXM">http://youtu.be/Hd_ptbiPoXM</a></p>
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		<title>Kinder und Natur – ein Gegensatz?</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/kinder-und-natur-%e2%80%93-ein-gegensatz/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Aug 2011 21:33:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gerade gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kenne den US-Bestsellerautor Richard Louv nicht. Ich wusste bis heute nicht, dass sein letztes Buch in zehn Sprachen übersetzt wurde und in fünfzehn Ländern erschienen ist. Ich kenne nur diese kleine Zeitungsmeldung, die offenbar über irgendwelche Agenturen lief und auch in der Thüringer Allgemeinen erschien:  Klingt doch vernünftig – oder? Doch fangen wir mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kenne den US-Bestsellerautor <a title="Richard Louv" href="http://richardlouv.com/" target="_blank">Richard Louv </a>nicht. Ich wusste bis heute nicht, dass sein letztes Buch in zehn Sprachen übersetzt wurde und in fünfzehn Ländern erschienen ist. Ich kenne nur diese kleine Zeitungsmeldung, die offenbar über irgendwelche Agenturen lief und auch in der Thüringer Allgemeinen erschien:<span id="more-363"></span> </p>
<div id="attachment_364" class="wp-caption aligncenter" style="width: 292px"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/08/Natur-Txt.jpg"><img class="size-full wp-image-364 " title="Natur-Text" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/08/Natur-Txt.jpg" alt="Thüringer Allgemeine vom 29.8.2011 " width="282" height="406" /></a><p class="wp-caption-text">Thüringer Allgemeine vom 29.8.2011 </p></div>
<p>Klingt doch vernünftig – oder?</p>
<p>Doch fangen wir mal ganz anders an. Da ist ein Kind. Und dann gibt es die Natur. Die Natur ist gut. Sie hilft, dass unsere armen Kinder gesund bleiben und keine Krankheiten bekommen. Wenn das Kind die Beziehung zur Natur verliert, wird es krank.</p>
<p>Wo hält sich das Kind auf, wenn es nicht in der Natur herumspringt? Richtig, in den virtuellen Welten. Im bösen Internet, in den noch böseren Computerspielen, auf Facebook und all dem Kram. Ist doch verständlich, dass man dann gewalttätig oder süchtig werden muss.</p>
<p>So weit ist alles klar?</p>
<p>Für mich nicht, gar nicht. Ist das oben genannte Kind das Produkt der virtuellen Welten? Nein? Ach so, Papa und Mama und die ganzen dazugehörigen Spielchen haben das Kind usw. Und Papa und Mama, auch virtuell? Nein, auch die haben wieder Papas und Mamas und so durch die ganze Evolution. Wie auch die Blümchen, die Bäumchen, wie die Natur.</p>
<p>Halt! Wie die Natur? Ja ja, Papa und Mama und Kind sind auch Natur, nur sehen sie etwas anders aus als Felsen, Büsche, Mäuse und Elefanten. Aber sie sind aus der Natur entstanden, sie gehören zur Natur. Also müssen Kinder nur bei sich selbst sein, dann ist alles gut, weil sie dann in der Natur sind. Klingt doch einfach, oder?</p>
<p>Herr Louv glaubt aber wohl, nur die Natur da draußen macht gesund, wenn man sich mit ihr verbindet. Also erinnere ich ihn an den Tsunami vor ein paar Jahren in Indonesien und in diesem Jahr in Japan. Ist ein Tsunami Teil der Natur? Jawohl doch. Also ist er gut. Nur blöd, wenn sich Kinder gerade mit der Natur verbunden hatten, als der Tsunami kam.</p>
<p>Und die Dürre in Afrika? Keine Natur? Oh doch, auch Natur. Nur keine liebe und freundliche. Sondern eine brutale. Himalaja, 8000 Meter über dem Meeresspiegel – auch Natur? Auch lieb? Nein, es ist die Todeszone. Aber Herr Louv sagt: Kinder in die Natur schicken.</p>
<p>Was ist die Schlussfolgerung? Herr Louv unterliegt einer Naturverklärung, die so irreal ist, dass ich sie gerne virtuell nennen möchte. Er hat längst vergessen, dass wir Menschen Teil der Natur sind und nicht ihr Gegenstück. Er konstruiert eine Weltanschauung mit Gut und Böse, mit Erlösung und Verteufelung. Aber das ist alles nur ziemlich platte Ideologie, die sich aber prächtig verkaufen lässt, weil sie erst einmal klug klingt. Leider muss man sich, wenn man sie kennenlernen möchte, in die virtuelle Gedankenwelt eines Buches begeben und kann nicht einfach im Buch der Natur schmökern. Dumm gelaufen für den Herrn Louv.</p>
<p>Wenn Herr Louv redlich gewesen wäre und nicht ein Ideologe, hätte es gereicht, wenn er folgendes sagt: Hallo Kinder, sitzt nicht nur rum, sondern geht auch mal wandern oder springt über Bäche und spielt im Schlamm. Wenn ihr euch danach wieder hinsetzt und ein Buch lest, zappeln euch nicht die Beinchen und ihr könnt euch besser konzentrieren.</p>
<p>Doch das kann jeder sagen, dazu braucht man kein berühmter Schreiber zu sein. Also Herr Louv, geh in die Natur und frage dich bitte, wie du dich wieder als ihr Teil erleben kannst – und höre auf mit deinen Unweißheiten. Danke.</p>
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		<title>Macht eines Autors</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jul 2011 10:17:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gerade gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben es immer gehofft. Wir haben es nie wirklich geglaubt. Jetzt wissen wir es: Autoren sind mächtige Leute. Der Beweis: Eine Kurzmeldung in der Thüringer Allgemeinen vom 18.7.2011. Was war der Sachverhalt? Unser Autor ging offenbar über die Felder, um beim schlendernden Gehen seine Gedanken zu ordnen, den Geist zu erfrischen und Pläne zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben es immer gehofft. Wir haben es nie wirklich geglaubt. Jetzt wissen wir es: Autoren sind mächtige Leute. Der Beweis: Eine Kurzmeldung in der Thüringer Allgemeinen vom 18.7.2011.</p>
<p>Was war der Sachverhalt? Unser Autor ging offenbar über die Felder, um beim schlendernden Gehen seine Gedanken zu ordnen, den Geist zu erfrischen und Pläne zu schmieden. Tief in Gedanken muss er gewesen sein, denn er sah und hörte nicht den herannahenden Traktor. <span id="more-356"></span>Dieser zog ein mächtiges Güllefass hinter sich her. Doch unser Autor war zwar mit seinem physischen Leibe auf dem Weg, seine Seele jedoch erkundete andere Welten. Nur so lässt es sich erklären, dass er nicht in der Lage war, das Bauernfahrzeug zu bemerken und erwartungsgemäß zu reagieren.</p>
<p>Ich wäre erschreckt zur Seite gesprungen, ich weiß es. Wie ich hätten es die meisten Menschen getan. Nicht unser Autor. Er blieb standhaft. So standhaft, dass der Traktorfahrer sich zum Handeln genötigt sah. Er spürte die gewaltige Ausstrahlung unseres Autors. Er fühlte, wie er chancenlos sein würde beim Versuch, den Autor einfach niederzufahren, umzubrettern, um es salopp zu sagen.</p>
<p>Unser Bauer riss offenbar in Panik vor soviel Unbekümmertheit das Lenkrad seines Traktors herum. Es muss in allerletzter Sekunde gewesen sein, kurz vor dem für ihn vernichtenden Zusammenprall. Der Traktor schlug zur Seite. Doch wie bei einem Peitschenschlag schleuderte er seinen Anhänger, so dass sich dieser den Gesetzen der Physik nicht mehr zu entziehen vermochte. Mit einem brüllenden Scheppern – man beachte das lautmalerische Adjektiv – brach er zur Seite aus, kippte und ergoss, wie die Zeitung zu berichten weiß, 10000 Liter Gülle auf ein Feld, für das die Gülle wohl nicht vorgesehen war – und wenn, dann nicht in solcher Dichte.</p>
<p>Fazit:<br />
1. Bauern, hütet euch vor den Autoren. Deren Geistesmacht seid ihr nicht gewachsen.<br />
2. Autoren: Lasst es nicht auf einen neuen Versuch ankommen. Ein mächtiger Beweis wie dieser sollte uns reichen.</p>
<p>Der Beweis:</p>
<p><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/07/2011-07-18-TA-Autor.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-357" title="Autor und Güllewagen" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/07/2011-07-18-TA-Autor.jpg" alt="Zeitungsmeldung in der Thüringer Allgemeinen vom 18.7.2011" width="364" height="702" /></a></p>
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		<title>Montags nicht in den Thüringer Wald</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/montags-nicht-in-den-thuringer-wald/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 20:41:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Auf Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentlich schien unsere Idee nicht schlecht zu sein: Wir nutzen den freien Montag für einen Ausflug ins Meeresaquarium nach Zella-Mehlis – für Nicht-Thüringer: Der Ort liegt unterhalb von Oberhof so ziemlich mitten im Thüringer Wald. Doch um das Aquarium soll es hier nicht gehen: Es ist prima, macht Spaß, wirkt gepflegt und hat offenbar engagierte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich schien unsere Idee nicht schlecht zu sein: Wir nutzen den freien Montag für einen Ausflug ins Meeresaquarium nach Zella-Mehlis – für Nicht-Thüringer: Der Ort liegt unterhalb von Oberhof so ziemlich mitten im Thüringer Wald.</p>
<p>Doch um das Aquarium soll es hier nicht gehen: Es ist prima, macht Spaß, wirkt gepflegt und hat offenbar engagierte Mitarbeiter oder eine ebensolche Leitung. Ein riesiges Haibecken erstaunt genauso wie die vielen Krokodile, die in der Sonne dösten.</p>
<p>Unser Fehler: Wir wollten in Zella-Mehlis etwas essen. <span id="more-347"></span>Nun gut, es war Montag. Montags geht man nicht essen. Schon gar nicht in Zella-Mehlis. Und auf keinen Fall um die Mittagszeit. Am Ende landeten wir im Aquariumsrestaurant. Die Speisekarte ist die liebloseste, die ich seit langem gesehen habe. Offenbar konsequent auf Tiefkühlkost abgestellt, einschließlich des Kuchens. Ihm beigesetzt sind Geschmacksverstärker, was ich in Kuchen noch nie gesehen habe. Auch sonst war man bei den Zusatzstoffen nicht kleinlich. Keine Speise schien frisch zu sein, alles ist aufgewärmt und erhitzt. Die Bedienung reduzierte ihre Kommunikation auf das Mindestmaß weit unter der Anstandsgrenze.</p>
<p>Zu gerne wäre ich in diesem Moment Restauranttester gewesen: Mein Verriss wäre hart, schmerzhaft und entschlossen gewesen. Dass der Charme des Lokals trotz Renovierung DDR-Geschmack nicht verleugnen konnte, sei nur am Rande erwähnt.</p>
<p>Wir begnügten uns mit Kartoffelpuffern mit Apfelmus (Kinderportion), denn dieses Gericht hatte nur einen Zusatzstoff. Die Durchschnittsanzahl lag bei gefühlten vier bis sechs.</p>
<div id="attachment_348" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/06/SY146267_Hai-500.jpg"><img class="size-full wp-image-348 " title="Hai im Meeresaquarium in Zella-Mehlis" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/06/SY146267_Hai-500.jpg" alt="" width="500" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Hai im Meeresaquarium in Zella-Mehlis</p></div>
<p>Am Nachmittag zurück nach Oberhof: Die Lust auf Thüringer Küche aus der Tiefkühltruhe war uns vergangen. Also italienisch essen. Oberhof – der Touristenort Nummer eins im Thüringer Wald. Doch halt: Es ist Montag. Beide Italiener haben geschlossen. Ruhetag. Montags wird nicht gegessen, auch nicht italienisch.</p>
<p>Wir finden ein Café: „hausgemachte Kuchen“ steht groß auf dem Schild davor. Das überzeugt uns. Es sieht nett aus, ist modern und gemütlich. Dem freundlichen Kellner teilen wir schon beim Eintreten mit, wie glücklich wir über seinen Kuchen seien. Keine Zusatzstoffe, keine Gefriertruhe: frisch und hausgemacht. Er zeigt bedauernd auf die Theke: leer. Drei unvermutet eingetroffene Reisebusse hätten verputzt, was hausgemacht war.</p>
<p>Bei einem Krimi im Privatfernsehen würde jetzt der Werbeblock starten, jetzt, wenn es spannend wird. Was wird der Kellner also sagen? „Nix da, nix geht, wer zu spät kommt“, und so weiter.</p>
<p>Doch halt! Dieser Kellner, Herr Braun laut Kassenbon, war anders. Er offerierte uns charmant und korrekt, was es sonst noch zur Kaffeestunde geben könnte. Bot uns selbstgemachte Waffeln oder Pfannkuchen an und fragte nach unseren Wünschen. Kaum saßen wir, eröffnete er, dass die Köchin gerade Pflaumenkuchen für den Folgetag aus dem Ofen gezogen hätte. Diesen, noch warm, könne er bringen.</p>
<p>Wir waren wie vom Blitz getroffen: Ein Kellner, der mit uns redet. Der fragt, mitdenkt, freundlich und höflich ist. Der sich um uns kümmert – der wirklich will, dass wir uns wohl fühlen. Und wir haben uns wohl gefühlt.</p>
<p>Fazit des Restauranttesters: Ins „<a title="Hotel und Restaurant Vergißmeinnicht in Oberhof" href="http://www.haus-vergissmeinnicht.de/">Vergißmeinnicht</a>“ in Oberhof kann man guten Gewissens gehen. Die Speisen schmeckten lecker, waren frisch zubereitet und sahen appetitlich aus. Wir kommen wieder, versprochen.</p>
<p>Fazit des Montags-Touristen: Bleibt zu Hause oder fahrt, wenn schon Thüringer Wald, dann wenigstens ins „Vergißmeinnicht“.</p>
<div id="attachment_349" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><a href="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/06/SY146492_Vergißmeinnicht-500.jpg"><img class="size-full wp-image-349" title="Hotel und Restaurant &quot;Vergißmeinnicht&quot; in Oberhof" src="http://blog.dr-seydel.de/wp-content/uploads/2011/06/SY146492_Vergißmeinnicht-500.jpg" alt="Hotel und Restaurant &quot;Vergißmeinnicht&quot; in Oberhof" width="500" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Hotel und Restaurant &quot;Vergißmeinnicht&quot; in Oberhof</p></div>
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		<title>Wandern oder laufen</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/wandern-oder-laufen/</link>
		<comments>http://blog.dr-seydel.de/wandern-oder-laufen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 26 Jun 2011 22:24:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein sonniger Sonntag, gerade richtig für eine Runde Joggen mit Hund Anton ein kleines Stück außerhalb der Stadt. Für Einheimische: der Krahnberg. An Gotha vorbei führt ein ökumenischer Pilgerweg, der als Jakobsweg beschildert ist. Er folgt im Wesentlichen der Via Regia, einer alten Handelsstraße. Als ich knapp drei Laufkilometer hinter mir hatte, begegnete ich zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein sonniger Sonntag, gerade richtig für eine Runde Joggen mit Hund Anton ein kleines Stück außerhalb der Stadt. Für Einheimische: der Krahnberg.</p>
<p>An Gotha vorbei führt ein <a title="ökumenischer Pilgerweg" href="http://www.oekumenischer-pilgerweg.de">ökumenischer Pilgerweg</a>, der als Jakobsweg beschildert ist. Er folgt im Wesentlichen der Via Regia, einer alten Handelsstraße.</p>
<p>Als ich knapp drei Laufkilometer hinter mir hatte, begegnete ich zwei Wanderern. Beide trugen Rucksäcke und Wanderstöcke und machten überhaupt den Eindruck, just auf jenem Jakobsweg zu sein.<span id="more-342"></span></p>
<p>Als ich als ambitionierter, aber deswegen nicht automatisch talentierter Läufer an den beiden Wandersleuten vorbeilief, ergab sich folgender Dialog:</p>
<p><em>Wanderer: „Oh, so eilig.“<br />
Ich: „Nein. Aber ich trage ja auch keinen Rucksack.“</em></p>
<p>Harmlos, oder? Erst eine Weile danach wurde mir deutlich, dass dies in seinem Kern ein philosophischer Dialog war.</p>
<p>Was hatte mich der Wanderer in Wahrheit gefragt? Ich versuche mal die Langversion: „Du läufst aber schnell durch die Welt. Du kannst ja gar nichts wahrnehmen. Schau uns an, wir setzen entspannt einen Fuß vor den anderen. Dadurch ist es uns möglich, die Welt und damit uns selbst zu erkennen. Aber das kann einer, der nur rumjoggt, natürlich nicht erleben. Du solltest auch weise werden, indem du aus der Hektik des Alltags aussteigst.“</p>
<p>Was habe ich darauf in Wahrheit geantwortet?</p>
<p>Erster Teil meiner Antwort: „Nein. Ich eile mich gar nicht. Ich laufe sehr entspannt. Ich habe weder Wettbewerbe im Sinn noch muss ich irgendjemandem mit meinem Laufen etwas beweisen, muss keine von außen diktierten Leistungsparameter erfüllen – und überhaupt mache ich das alles ganz freiwillig. Wenn es für dieses Laufen einen Anstoß von außen gibt, dann ist das mein Hund Anton, der auf täglichen Auslauf besteht. Aber da Anton von uns gewählt wurde, wussten wir, was dieser Hund uns täglich abverlangen würde. Doch das, was er benötigt, nämlich Auslauf, ist nichts anderes als die Bewegung, die auch uns Menschen die Gesundheit ermöglicht. In diesem Sinne hilft Hund Anton mir, meinen inneren Schweinehund zu besiegen. Er ist damit so etwas wie ein Therapiehund.“</p>
<p>Der zweite Teil meiner Antwort: „Sicherlich würde ich, trüge ich einen Rucksack von mehreren Kilogramm Gewicht, langsamer laufen, wahrscheinlich auch nur gehen. Doch dieser physische Rucksack interessiert mich nicht. Er ist nämlich bloß das äußere Bild für einen inneren, seelisch-geistigen Zustand. Wer sich auf einen Pilgerweg begibt, hat dafür einen Grund. Er will etwas für sich klären, abarbeiten oder finden. Das Schicksal hat ihm etwas auf den Buckel gepackt, das ihn bedrückt und beschwert. Darum erhofft sich der Pilger Reinigung und Klärung dadurch, dass er auf den Pilgerweg geht. Die geistliche Unterstützung, die er dabei zu Recht erwartet, soll zur Heilung seines Zustandes beitragen. Danach will er erneuert und gereinigt ins Leben zurückkehren, neue Entscheidungen treffen, Probleme bereinigen und was sonst noch die Früchte seines Pilgerns seien. Ich jedoch“, so meine Antwort, „fühle mich nicht belastet. Ich bin eins mit mir, kenne meine Grenzen und ahne Möglichkeiten. Ich brauche nicht auf den Jakobsweg zu gehen, da seelische Klärung mein tägliches Tun stets durchzieht. Es gibt keinen Rucksack unbewältigter Konflikte, die ich abzuwandern hätte. Aus diesem Grunde kann ich heiter durch die Welt um Gotha herum joggen, begleitet von Hund Anton, der mal vorausspringt, mal hinterhertrottelt, so wie meine Seele es auch tut.“</p>
<p><em>Wanderer: „Oh, so eilig.“<br />
Ich: „Nein. Aber ich trage ja auch keinen Rucksack.“</em></p>
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		<title>Die geklaute Cloud</title>
		<link>http://blog.dr-seydel.de/die-geklaute-cloud/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 10:12:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bernd Seydel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Cloud]]></category>

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		<description><![CDATA[Die technischen Möglichkeiten der modernen Welt liebe ich. Ich gehöre zu den Erstnutzern von Bürocomputern, habe keine Angst vor Bits und Bytes, fotografiere selbstverständlich digital und bewege mich im Web 2.0 entspannt, regelmäßig und erfolgreich. Als die Cloud kam, wurde ich wach: Das will ich auch. Auf alles von überall immer zugreifen können. Geil. Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die technischen Möglichkeiten der modernen Welt liebe ich. Ich gehöre zu den Erstnutzern von Bürocomputern, habe keine Angst vor Bits und Bytes, fotografiere selbstverständlich digital und bewege mich im Web 2.0 entspannt, regelmäßig und erfolgreich. Als die Cloud kam, wurde ich wach: Das will ich auch. Auf alles von überall immer zugreifen können. Geil.</p>
<p>Ich begann, meinen Computer zu entschlacken. Alle Dateien, an denen ich arbeitete, verlagerte ich auf ein virtuelles Laufwerk im Netz. Archive wanderten in virtuelle Ablagesysteme. Programme liefen, wenn irgend möglich, nur noch im Browser als Internetanwendung. Das meiste war umsonst, gelegentlich gab es geringe Kosten. Eine rasend schnelle Internetverbindung verwandelte mein kleines Büro in eine global vernetzte Schaltzentrale. Mein Schreibtisch war aufgeräumt, keine Festplatten standen mehr im Weg – wie herrlich war das Leben mit der Cloud.<span id="more-329"></span></p>
<p>Sie ahnen etwas? Geben Sie es zu. Idylle macht misstrauisch, oder?</p>
<p>Ja, heute morgen hat es mich erwischt. Computer anschalten, Emails abrufen, Browser starten: Das geht automatisch, ist bloße Routine.</p>
<p>Aber heute nicht. „Die Webseite kann nicht angezeigt werden.“</p>
<p>Noch einmal von vorne. Computer neu starten, wahrscheinlich irgend so ein kleines Problemchen. Kann ja vorkommen, oder? „Die Webseite kann nicht angezeigt werden.“</p>
<p>In meinem Bauch zieht es sich zusammen, die Hände werden schlagartig kalt. Ich erinnere mich an meine Zusage, bis Mittag einen längeren Text fertig gestellt und ihn zusammen mit einer Bildauswahl an den Kunden versendet zu haben. Der Text ist fast fertig – aber er liegt in der Cloud. Die Fotos muss ich noch auswählen, sie liegen sicher in der Cloud.</p>
<p>Wer hat mir die Cloud geklaut? „Die Webseite kann nicht angezeigt werden.“</p>
<p>Schon steht mir der Angstschweiß auf der Stirn. Panik krallt mich, das Herz rast, was sollte es auch sonst tun. „Die Webseite kann nicht angezeigt werden.“</p>
<p>Nein!!! Ich will das nicht mehr sehen! Ich will wieder mein Internet haben. Gib mir meine Cloud wieder.</p>
<p>Einige Tage später: Den Kundenauftrag konnte ich mit Verspätung und durch die Hilfe eines Freundes mit einem Surfstick gerade noch erledigen.</p>
<p>Aber dann: Ich habe jetzt drei verschiedene Internetanbieter: Festnetz, Surfstick und Mobiltelefon. Außerdem habe ich mir vorsorglich ein Satellitentelefon bestellt, wenn alles Irdische versagen sollte. Ich habe ein zusätzliches Notebook und ein iPad. Außerdem verhandle ich mit zwei Internetanbietern aus USA und Asien, um von deutschen Anbietern unabhängig zu werden. Ich arbeite mit IT-Spezialisten zusammen, die mir eine technische Lösung schaffen sollen, alle Internetanbieter so zusammen zu schalten, dass beim Ausfall des einen ohne Unterbrechung der nächste Anbieter genutzt werden kann und so weiter. Die Software dazu entwickelt ein Freund an der Universität, der das Thema in seine Promotionsarbeit einbauen kann. Wegen der Hardwarelösung verhandle ich mit einem großen IT-Unternehmen. In drei Jahren sollte es eine Lösung für mein Problem geben.</p>
<p>Dann brauche ich keine Angst mehr vor der Cloud zu haben.</p>
<p>P.S.: Fast hätte ich es vergessen, eine Kleinigkeit. Ich habe mir natürlich wieder eine große Festplatte gekauft und sofort alle meine Daten aus der Cloud darauf gesichert. Sicher ist sicher. Jetzt kann mich die Cloud gern haben.</p>
<p>P.P.S.: Vor wenigen Wochen hat uns Herr Mubarak vorgeführt, wie ein Diktator das Internet für sein Land abschaltet. Wenn ich Regierung wäre, würde ich Propaganda für die Cloud machen, die Kosten dafür subventionieren und Festplattensteuer erheben. Wenn (fast) alle Unternehmen und IT-Nutzer in der Cloud sind, hätte ich sie in der Hand: Entweder macht ihr, was ich will, oder ich schalte das Internet aus.</p>
<p>Vielleicht sollte ich mich doch um eine Stelle als Diktator bewerben.</p>
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